Survival Wanderung in Deutschland

250 km-Wanderung von Gronau (Westfalen) nach Bonn zur Rettung der Yanomami-Indianer und des Regenwaldes im Jahr 1997
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Die Idee zu einer Wanderung von Gronau nach Bonn zur Rettung der brasilianischen Yanomami-Indianer stammt aus dem Jahre 1993.

Damals, im Herbst 93, versuchte ich bereits mit einem Freund zusammen nach Bonn zu wandern. Aber der Versuch scheiterte bereits am zweiten Tag.

Mein Begleiter gab die Wanderung 50 km von Gronau entfernt in Gescher auf. Ich gab nach 75 km kurz vor Wulfen auf.

Aber dennoch erreichten wir Bonn, mit dem Auto. Wir übergaben in der Botschaft Brasiliens die Unterschriften zur Rettung der Yanomami-Indianer. Die Unterschriften hatten wir während eines Schulprojekttages gesammelt.

Die Gründe dafür, dass wir aufgeben mußten, lagen darin, dass wir nicht genug trainiert hatten. Eine halbe Stunde Wanderung am Tag reicht nicht aus. wir unterschätzten den zu wandernden Weg. Und mußten aufgeben.

Aber trotzdem hatte sich die Wanderung gelohnt, ich habe wichtige Erfahrungen gemacht, die mir bereits bei der Umwanderung der Fläche, welche an zwei Tagen an Regenwald vernichtet wird, halfen.

Auf ein Neues

Mein Wecker klingelte, es war 7.00 Uhr. Ich kroch aus meinem Schlafsack, der auf dem Boden lag, denn in der Nacht schlief ich auf diesem, um mich schon einmal an den harten Untergrund zu gewöhnen. Heute endlich war es soweit, meine 250 km-Wanderung von Gronau nach Bonn zur Brasilianischen Botschaft sollte um 10.00 Uhr beginnen.

Ich stapfte ins Badezimmer und wusch mich (das letzte Mal für 6 Tage, wie sich später herausstellen sollte). Ich schaute aus dem Fenster. Es war kein sonniger Tag, dafür aber trocken. Dann ging ich aus dem Badezimmer in die Küche, um zu

frühstücken. Ein Glas Orangensaft und eine Scheibe Brot mit Nutella, mehr bekam ich nicht herunter. Ich war viel zu nervös zum Essen, denn in einer halben Stunde sollte das erste von drei Kamera-Teams, die über die Wanderung berichten wollten, kommen.

Ich nutzte die  Zeit, um ein Banner an dem Haus meiner Eltern zu befestigen: „SAVE YANOMAMI“: Worte, die alles über meine Aktion sagen. Während ich noch darüber nachdachte, war das erste Kamera-Team schon da und begann gleich mit den Drehaufnahmen.

Mit etwas Verspätung, wegen der vielen Aufnahmen, ging es dann endlich nach einer herzlichen Verabschiedung meiner Eltern und Freunde gegen 10.20 Uhr los. Ich marschierte, mit drei Kamera-Teams im Schlepptau, Richtung Ahaus los. Gegen 14.00 Uhr kamen wir dort an. Die Kamera-Teams verabschiedeten sich erst einmal von mir bis zum 10.04.1996, an dem ich einen Termin in der Brasilianischen Botschaft hatte.

Ich marschierte alleine weiter nach Gescher, wo ich in einem Waldstück in einer selbstgebauten Notunterkunft aus einer Regenfolie und in meinem Schlafsack nächtigte.

Am nächsten Tag wurde ich um 7.00 Uhr von dem Gesang der Vögel geweckt und ich entschied mich dafür, ohne etwas zu essen nach Borken weiter zu marschieren, da ich dort um 13.30 Uhr einen Interviewtermin bei einem Radiosender hatte. Pünktlich, zwei Stunden vor dem Termin, erschien ich und ließ mir die Technik des Senders erklären.

Und dann ging es weiter mit einem Bildjournalisten, den ich schon von meiner letzten Aktion her kannte, nach Dorsten, wo wir gegen Einbruch der Dunkelheit endlich einen geeigneten Schlafplatz in einem Freibad fanden. Dort konnten wir unseren Magen füllen.

Frisch gestärkt zogen wir am folgenden Tag zuerst nach Gladbeck weiter, wo mich ein befreundeter Polizist aus Gronau, der dort auf der Polizeiwache arbeitet, lautstark aus dem Fenster heraus über die Verkehrsregeln aufklärte.

Gegen Mittag ließen meine Kräfte urplötzlich nach und die Schmerzen gewannen überhand, sodass ich eine Pause benötigte, die ich daraufhin auch für zwei Stunden einlegte.

Nun begann die „harte Tour“, wo der Geist über den Körper siegen muß. Der Bildreporter erkannte, dass ich mich alleine besser konzentrieren konnte und verließ mich, wie bereits am Tag zuvor besprochen. Nach intensiver Konzentration gelang es mir, „schmerzfrei“ weiterzulaufen bis nach Bredeney, einem Stadtteil von Essen, wo ich mein Tagespensum abgeschlossen und mich in einer wunderschönen und (ebenso wie die vorherige) trockenen Nacht bei minus sechs Grad schlafen legte.

Mit leerem Magen, aber ohne Schmerzen, ging es dann ohne besondere Vorkommnisse weiter über Ratingen und Düsseldorf nach Hilden, wo ich dann auf einem Hof der örtlichen Rettungswache nächtigte, da ich keine andere freie Fläche fand.

Am Kölner Rheinufer waren die Schmerzen der Wanderung dann völlig vergessen bei dem herrlichen Anblick der vorüberziehenden Schiffe.

Da ich Angst hatte, mit meinem von der Wanderung fettig gewordenen Haaren als Mitglied der „Kelly-Family“ verwechselt zu werden, setzte ich meine Wollmütze auf.

Der vorletzte Tag meiner Wanderung war für mich der härteste, weil ich so langsam geworden war, das ich mein Tagespensum von 40 km nach Bornheim bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht schaffen konnte. So lief ich die ganze Nacht ohne zu schlafen weiter nach Bornheim und von dort noch in der Nacht nach Bonn, wo ich so gegen 8.00 Uhr morgens ankam und erschöpft zu Hause anrief.

Dabei erfuhr ich, dass ich nicht der einzige bin, der diese Nacht kaum geschlafen hatte: Weil ich nicht zu Hause angerufen hatte, dachten meine Eltern in Gronau, mir sei etwas zugestoßen und benachrichtigten die Polizei, die ohne zu warten gleich eine Fahndung eingeleitet hatte. Daher war die Freude natürlich doppelt groß als ich anrief.

Nach dem Anruf ging ich erst einmal in eine Jugendherberge, wo ich mich duschte und dann ausschlief.

Am 10.04.1996 ging es dann zur Brasilianischen Botschaft, wo ich anstatt den Botschafter wieder einmal nur den Pressesprecher sprechen konnte, trotz Termin beim Botschafter.

Nach kurzem Gespräch über die Lage in Brasilien versprach er mir zum dritten mal, sich persönlich für die Yanomami einzusetzen und dass ich einen Brief vom Staatspräsidenten Brasiliens erhalten würde, in dem dieser mir mitteilt, dass er sich auch für die Yanomami einsetzt (ich warte immer noch auf diesen Brief).

Trotzdem, dass mich der Botschafter nicht empfangen hat, bin ich der Meinung, dass sich die Aktion gelohnt hat, da ich die Medien und damit auch die Bevölkerung auf das Problem der Yanomami-Indianer erneut aufmerksam gemacht habe. Und außerdem habe ich 5 kg abgenommen.